Home » Mind & Body » Achtsamkeit » Gestalttherapie: Die Kunst der Wahrnehmung

Gestalttherapie: Die Kunst der Wahrnehmung

von Loveve
2918 Views
Gestalttherapie Kunst

Was ist Gestalttherapie?

Die Gestalttherapie gilt als eine Form des Coachings oder der Psychotherapie. Sie ist ein bewährter, verbreiteter und beachteter therapeutischer Ansatz. Sie wird als erfahrungs- und erlebensorientiertes Verfahren, das psychischer Prozesse integrieren will, bezeichnet. Daher wird sie auch phänomenologisch ausgerichtete Psychotherapie genannt. Das Konzept der Gestalt-Therapie ist sehr komplex und umfasst eine ganze Reihe eigenen Begrifflichkeiten. Die wichtigsten Namen der Gestalttherapie sind:

  • Gestalt
  • Achtsamkeit
  • Dialog

Die Gestalttherapie macht sich zum Ziel, die Kreativität von Patienten zu fördern, womit unter anderem eine höhere Lösungskompetenz einhergehen soll. Blockierungen im Erleben, Wahrnehmen und Handeln sollen so aufgelöst werden. Weil jede psychologische Therapieform sehr komplex ist, richtet sich der vorliegende Text vor allem an Einsteiger.

Woher kommt der Name der Gestalttherapie?

Am einfachsten erklären lässt sich die Bedeutung der Gestalttherapie anhand der deustchen Sprache: Der Gestaltbegriff, vom deutschen Verb „gestalten“ beinhaltet das Formen eines sinnvollen Ganzen. Daher sind die Wörter Sinn und Struktur eng mit der Gestalttherapie verbunden. Sie beide beschreiben eine Gesamtheit, die in sich kohärent erscheint.

Gestalten heben sich nur vor einem Hintergrund ab. So kann sich ein weißer Fleck zum Beispiel nur auf einer farbigen Fläche abheben.

Wer hat die Gestalttherapie entwickelt?

Die Begründer der Gestalttherapie sind Fritz Perls, Laura Perls und Paul Goodman. Zu weiten Teilen hat sich die Gestalttherapie aus der Psychoanalyse ergeben. Sie muss von der Gestaltungstherapie abgegrenzt werden. Ihre Schüler – Isadore From, Erving und Miriam Polster, Daniel Rosenblatt, James Simkin, Paul Weisz haben sie weiterentwickelt. ie Gestalttherapie hat die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Gestaltpsychologie für die Psychotherapie nutzbar gemacht und mit der Forderung verbunden, Mitmenschen als „Du“ zu achten. Die Gestalttherapie ist daher dDurch eine starke humane Verpflichtung gekennzeichnet. In Deutschland wurde die Gestalttherapie unter anderem durch Gerhard Heik Portele sowie durch Hilarion Petzold bekannt.

Was bedeutet Ganzheitlichkeit?

Der Mensch wird als Organismus als untrennbare Einheit von Körper und Geist und betrachtet. Er kann nicht isoliert von seiner Umgebung betrachtet werden, sondern gehört dazu. Es ist nicht möglich ihn außerhalb des Kontexts zu verstehen. Die Gestalttherapie spricht hier auch vom „Organismus-Umwelt-Feld“ als grundlegende Annahme.

Die Kern-Gebote der Gestalttherapie nach Kriz

Im Zentrum der Gestalttherapie steht der Leitsatz dass wir im Hier und Jetzt leben sollten. Demnach sollten wir uns um eine glückliche Gegenwart kümmern, anstatt um die Vergangenheit oder die Zukunft.  Um dies zu verdeutlichen wurden die folgenden neun Kerngebote entwickelt:

  1. Lebe hier. Beschäftige dich mit dem Anwesenden statt mit dem Abwesenden.
  2. Höre auf, dir etwas vorzustellen. Erfahre die Realität.
  3. Höre auf, unnötig zu denken. Besser: Probier und schau.
  4. Drücke dich lieber aus, anstatt zu manipulieren, zu erklären, zu rechtfertigen und zu urteilen.
  5. Lasse dich auf Unerfreuliches und Schmerz ebenso ein wie auf Freude.
  6. Akzeptiere keine „sollte“ oder „müsste“ außer deinen eigenen.
  7. Übernimm die volle Verantwortung für deine Handlungen, Gefühle, Gedanken.
  8. Akzeptiere dich (und die anderen), wie du jetzt bist (wie sie jetzt sind).

Übungen in der Gestalttherapie

Durch ihre Herkunft aus der Psychoanalyse ist die Gestalttherapie weniger aktions-orientiert als zum Beispiel das Psychodrama. Typischer Weise werden die folgenden Übungen durchgeführt:

  1. Awarenessübungen
  2. Sprachspiele
  3. Rollenspiele

[amazon_link asins=’3497026867,3897970627,3579069489,3897979071′ template=’ProductGrid‘ store=’loveve-21′ marketplace=’DE‘ link_id=’ac4425e5-aac0-11e8-94ed-27ca22be8e06′]

*Werbung: Affiliate-Links

Methodik: Mit Hilfe der Stuhlarbeit einen Dialog führen

Eine bekannte Methode / Übung der Gestalttherapie ist die des „leeren Stuhls“ oder auch der „Stuhlarbeit“, bei der ein unbesetzter Stuhl genutzt wird. Hierbei handelt es sich sozusagen um ein Rollenspiel.

Zum einen kann der leere Stuhl als Platz für nicht anwesende Bezugspersonen dienen, die für den Klienten im Zusammenhang mit einem bestimmten Thema oder Konflikt wichtig sind.

Bei dieser Technik soll sich der Klient vorstellen, dass die Bezugsperson, das Gefühl etc. auf dem leeren Stuhl platz nimmt und mit ihm in den Dialog geht.

Im Rahmen der Stuhlarbeit können verschiedene Stühle auch für unterschiedliche Persönlichkeitsanteile, Gefühle oder Sichtweisen des Klienten eingesetzt werden. Dann wird der Klient eingeladen. Der Klient kann also auch mit sich selbst laut diskutieren. Mit Hilfe der Stuhlarbeit ist es möglich Konflikte zu lösen und neue Sichtweisen auf ein Thema zu erhalten. So können viele Situationen und Verhaltensweisen besser verstanden und in einem ganz anderen Licht betrachtet werden. Sie fördert die Kreativität ungemein.

Mit Hilfe der Gestalttherapie werden ganz andere Sichtweisen auf Problem deutlich. Bild: Kyle Loftus/Unsplash

Mit Hilfe der Gestalttherapie werden ganz andere Sichtweisen auf Problem deutlich. Bild: Kyle Loftus/Unsplash

Die Wirkung der Gestalttherapie

Gestalttherapie heilt durch Würdigung der Kräfte eines jeden Menschen. Das ist das Verständnis, dass der Mensch, alle Fähigkeiten besitzt ein Problem zu lösen. Durch die Würdigung dieser Kräfte kommt der Klient in Kontakt mit seiner Fähigkeit, Lösungen (seines Problems) für sich zu finden. Dieser Kontakt macht es ihm möglich, sich selbst, seine Mitmenschen und seine Umgebung so wahrzunehmen, dass er die Unterstützung spürt. Es gibt zahlreiche Methoden um die Kräfte des Klienten zu würdigen.

An wen richtet sich die Gestalt-Therapie?

Die Gestalttherapie gibt keine Empfehlungen und schon gar keine Patentrezepte. Sie  unterstützt den Klienten darin, ähnlich wie im Life Coaching, für sich selbst neue Wege zu identifizieren und zu beschreiten.

Der Klient soll lernen durch welche Verhaltensweisen heute er sein Wachstumspotential hemmt. Das können beispielsweise Gefühle der Angst, Wut oder auch Selbstzweifel sein, die in unpassenden Situationen oder in extremer Stärke auftreten. Diese Verhaltensweisen werden als „dysfunktional“ bezeichnet, wenn sie auch objektiv unberechtigt erscheinen oder der Entwicklung des Klienten im Wege stehen oder ihm sogar schaden. Dysfunktionales Verhalten verhindert die natürliche Fähigkeit jedes Menschen, die aktuelle Wirklichkeit wahrzunehmen und sich sinnvoll in dieser zu verhalten.

Für Dich

Kommentieren

Loveve nutzt auch Cookies zur Verbesserung der Nutzererfahrung. Wenn du diese Website weiterhin nutzt, gehen wir von deinem Einverständnis aus. Akzeptieren Datenschutzerklärung